Sie scheint den Betrachter herrauszufordern. Ihr nackter Oberkörper ist kein Makel, keine Peinlichkeit sondern wird von ihr getragen wie eine Waffe. Selbstbewußtsein, erotische Aufforderung in einer sterilen Umgebung. Johannes Schwab ist ein Komponist. Ein guter und gleichzeitig verspielter dazu. Betrachtet man sein Portfolio, reibt man sich schnell den skurrilen Dyptichons. Er versteht sein Handwerk. Seine Portraits sind von einer merkwürdigen Lebendigkeit beseelt, sie zeigen den Menschen, sein facettenreiches Selbst auf ungewöhnlich einfühlsame Weise. Dennoch würde seine Komposition nicht funktionieren, wären da nicht die Stillleben, die Detailaufnahmen toter Dinge, die er in Verbindung zu seinen Models setzt und so eine merkwürdig – surreale Stimmung kreiert. Das zerstörte Auto oder der leblose amerikanische Straßenzug komplettieren seine Portraits. Sie ergänzen, was die bloße Darstellung des Gesichtes nicht hergibt. Es werden Erinnerungen angedeutet, Assoziationen gestreut. Der Betrachter wird aufgefordert hinter das schöne, altersgezeichnete oder außergewöhnliche Gesicht zu schauen um ein Stückchen Seele zu erhaschen – in all ihrer Reichhaltigkeit und Tiefe. So geheimnisvoll wie das verschlossene Portfolio #2…

SYRU 1„Waste Your Time With Paste And Leim“ Was sich wie ein typischer Englischsatz eines Mitfünfzigers anhört, ist nette Selbstironie und gleichzeitig tägliches Programm in meiner Heimatstadt Leipzig (und allen anderen Großstädten in Deutschland). Gemeint ist die sogenannte Streetart und deren Macher, die die Straßen seit einiger Zeit mit einer kreativen Papierbilderwust überziehen. Wer jetzt kolerisch-wütend „Vandalismus“ schreit, ist von diesem Blog ausgeschloßen und darf nicht weiterlesen. Allen anderen möchte ich Herrn Syru vorstellen. Der Kindergartencop und Comicfanatist der hiesigen Plakat- und Aufkleberszene.SYRU 3 Bärtige Omas beim Gassigehen, Kleiderschrankmonster, Hunde, Katzen, Mixturen aus Beidem, Fabelwesen und Roboter. Er jongliert vergnügt mit Kinderzeichnungen, lässt sie fließend in harte Comics übergehen und scheut dabei Satire genausowenig wie Hommage. Bilderwelten scheinen aus ihm herrauszusprudeln. Das ist Syru wie er leimt und klebt. Zu finden sind ein Großteil seiner Arbeiten in der Südvorstadt sowie in Plagwitz. Wer sucht der findet.

Eigenregie #2

Dezember 20, 2006

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dyptichon

Nikon FE mit f11 bzw. f1,8 bei 1/250sek bzw. 1/30sek

2006

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Die „Black Cubes“

Dezember 16, 2006

cube.jpgEin namenloser Italiener, studierter Philosoph und Künstler stellt auf seiner Homepage schwarze Kästen zum Verkauf. Insgesamt 999 Stück. Das ist ja sehr spannend möchte man voreilig und ironisch rufen, aber spannend sind diese Würfel in der Tat. Jeder einzelne birgt ein schreckliches Geheimnis, einen Gegenstand, den der Besitzer im Idealfall niemals zu sehen bekommt. Denn das ist Aufgabe und gleichzeitig metaphysiche Folter der „Black Cubes“: Wie gehen Menschen mit Neugier um? Würden sie so weit gehen, ein Kunswerk zu zerstören um dessen Geheimnis zu lüften? Die Mona Lisa zerschneiden, um die Art der Leinwand herauszubekommen. Das würde niemals jemand tun? Bestimmt nicht… Oder? Es ist sicher anzunehmen, dass die Präsenz eines solchen „Black Cubes“ für den Eigentümer Inspiration und gleichzeitig Probe ist. Zu erwähnen sei noch, dass die ominösen Inhalte zusammengefügt und nach Verkauf aller 999 Stück Teile eines großen Puzzles darstellen. Die Weltformel ist es sicher nicht, Luft hoffentlich ebensowenig – aber was dann? Lasst uns neugierig sein – oder besser nicht.

rutschen-stratford-2-213.jpg Seitdem der deutsche Künstler Carsten Höller seine Rutscheninstallation „Test Site“ in der Londoner Tate Modern Gallery aufgestellt hat, ergreift die Besucher ein neuer Spieltrieb. Rutschen als Spaßgeräte – außer Konkurenz. Doch Höller möchte weitergehen und die Röhren alltagstauglich machen. Lifte, Aufzüge und Rolltreppen sollen sie in seiner Fantasie ersetzen und so jederman schnell und spaßbetont von der einen in die andere Etage bringen. Und wenn man dann auf dem Hosenboden sitzend auf Arbeit rutscht, fließen vieleicht auch die kindlichen Gedanken wieder besser. Meine Stimme hat er.

(Quelle)

gregory_crewdson1_thumb.jpgWenn Gregory Crewdson sein Fotoalbum öffnet schwant einem Langweile. Amerikanische Vorstadtansichten in all ihrer Unaufgeregtheit und, in ihren Routinen eingefahrene Menschen, mittendrin. Doch der erste Schein trügt, die Schlinge wird enger, Crewdsons Falle schnappt zu. Seine Protagonisten habe sich verlaufen. Nichts ist so omnipräsent wie die leeren, verzweifelten Augen aller Beteiligten. Starren Blickes fixieren sie einen Punkt der jenseits des Gezeigten zu sein scheint. Sie verharren ruhig in ihren oft wirren Posen und doch lässt sich das Brodeln unter den Fassaden erahnen. Konflikte werden angedeutet, Handlungsstränge erzählt aber nie beendet. Crewdson lässt Platz für Interpretation.

Crewdsons Blick auf unsere Lebensräume gleicht dem auf ein Aquarium – fremd und gleichzeitig faszinierent. Und der Eindruck, selbst nur ein kleiner Fisch im Wasser zu sein, hängt noch lange nach

Katrin Wittneven in Monopol Nr.4/2005

Der Aufwand, den Gregory Crewdson für seine Bilder betreibt wird durch eine Vergrößerung der beiden Werksbeispiele links und rechst deutlich (Scans aus Monopol Nr.4/2005).gregory_crewdson2_thumb.jpg Perfekt ausgeleuchtete Schauplätze, riesige Aufbauten und Kulissen. Selbst die obligatorischen Stars als Darsteller, die man bei einer derart hollywoodähnlichen Inszinierung erwartet, fehlen nicht. Julianne Moore („Magnolia“) sei hier repräsentativ genannt. Nicht verwunderlich also, dass Crewdsons Œuvre nur circa 65 Werke umfasst. Ist man aber einmal in seine Bildwelt eingetaucht, hat ihre Tiefe begriffen, reichen besagte 65 Fotos für eine lange Zeit verstörender Gedanken aus.

Eigenregie #1

Dezember 3, 2006

akt1.jpg

akt I

Nikon FE mit f1,8 bei 1/125sek

2006

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