Jonas Burgert im schwarzen Wunderland
November 27, 2006
Es weht ein kalter Wind in den dunklen Bildräumen des Jonas Burgert. Blasse Gestalten, in entmutigter Pose verharrend, Menschwesen, manche in skurilen Farben und Mustern, einige mutiert, aber immer fehl am Platz, teilen sich eine endzeitliche Kulisse in der sie auf etwas nie eintreffendes warten. Sie scheinen um ein Existenzrecht zu kämpfen. Es ist ein stiller, motivationsloser Kampf. Die Luft schmeckt nach Verzweiflung, nach Langeweile. Der Überdruss am eigenen Ich wird deutlich und frisst sich langsam durch die Szenerie. Tiere bilden einen Gegenpol in den Interiors des Malers. Es wirkt, als dominieren sie leise ihre Umgebung. Oft im Zentrum vertreten, bilden sie eine erfrischende Mitte, von der die Lebendigkeit in alle Richtungen stetig abnimmt. Selbst dann, wenn sie selbst schon tot sind. Doch um Konventionen schert sich Burgert genauso wenig, wie
um vermeidlich sicheres. Seine Fabelwesen variieren in Größe und Form, tragen unwirkliche Muster auf der Haut und besitzen dennoch eine derart beklemmende Echtheit, dass sich der Betrachter dieser kaum entziehen kann. Doch am besten umschreibt es sich in seinen eigenen Worten, die ich heute in Monopol, dem „Magazin für Kunst und Leben“ Ausgabe Nr.6/2006, gelesen habe:
„Alles das, was ich nicht bin und was ich nicht habe, ist in meinen Bildern. [...] Mich interessiert vor allem, was mit den Menschen passiert, wenn sie auf das nötigste zurückgeworfen sind. Wenn ihre archaischen, dunklen Seiten hervorbrechen„
Paul Hiller im dunklen Spiegel
November 23, 2006
Die Räume in die uns Paul Hiller, 20jähriger Jungfotograf aus München, leitet sind nebel- verhangen. Ohne Wegbeschreibung durchstreift man geschichten- schwere Zimmer voller Melancholie und Erotik. Sie erzählen von unverrichteten Dingen, zurück- gelassenen Menschen und zerbrechlichen Hoffnungen. Wie fängt man eine Sekunde, einen Moment ein? Hiller schafft es, unaufdringlich und sehr einfühlsam, Frauen von ihrer besten und zugleich menschlichen Seite zu zeigen. Er anonymisiert sie, verhüllt ihre Gesichter oder lässt sie in der Unschärfe verschwinden. Der Körper steht im Mittelpunkt, dient als Transportmittel für Hillers Geschichten,
für seine Portraits und Beobachtungen. Die Frage seiner eigenen Beteiligung bleibt oft im Raum stehen. Seine Modelle offerieren soviel und weisen ihn gleichzeitig strikt zurück. Verlangen und Enttäuchung, Liebe und Verlust. Paul Hillers Aktfotografie ist eine Homage an das Unausgesprochene, an die Zeit zwischen zwei Augenblicken.
Anatomie eines Herbsttages
November 21, 2006
Ich gehöre wohl nicht zu den Herbstzeitlosen. Dieser hat mich nämlich mit seiner kalten Hand erreicht und eine schöne Erkältung eingebracht. Ich also den Gang zur höheren Lehranstalt weggelassen und mich gänzlich so wichtigen Dingen wie Staubsaugen und benutzte Taschentücher in der WG verteilen hinzugeben. Ein warmes Bad wäre toll. Ich bin aber gleichzeitig zu faul es mir einzulassen beziehungsweise soviel Zeit unbewegt in einer Stellung zu verbringen. Lassen wir das also und machen stattdessen einen Exkurs Richtung Musik. In diesem Augenblick hämmert sich Daniel Benavente mit seinem, im Tresor Berlin dargebotenen, Liveset durch meine Playlist. Danach wird es dann Nervennahrung aus dem Hause Kraftfuttermischwerk geben. Diese Potsdamer Institution setzt mit ihrem frei erhältlichen Release „Eingang nach draußen“ die eigene Meßlatte sehr hoch an. Eine wunderbar gemischte Müslipackung aus Poesie, Melancholie, Afterhour und Erinnerung. Kraftfutter für Großstadtphlegmatiker eben. Um beim Thema zu
bleiben möchte ich auch noch einen Gruß an Daniel Stefanik und Matthias Kaden (beide Moon Harbour) schicken. Der Abend in der Distillery war großartig. So! Ich werde mich jetzt bekochen, umsorgen und pflegen lassen und den Abend mit kitschigen Filmen ausklingen lassen.
(Quelle) der Fotos
Einblicke
November 19, 2006
Was bedeutet Intimität im 21. Jahrhundert? Welche Auswirkungen hat sie auf die Fotografie? Die Unnahbarkeit zwischen Model und Fotograf wird durchbrochen. Realität tanzt mit Fiktion. Completely Nakeds Projekt INTIMACY forderte junge Fotografen auf, ihr Bild von Intimität zu portraitieren. Das Ergebnis ist ein eindringlicher Einblick in private Welten. Die auf mittlerweile 500 Arbeiten angewachsene Sammlung spielt mit Clichés, ist offensiv und von eigenartiger Erotik. Ein Reigen aus Sex und
Leidenschaft, Isolation und Melancholie. Alltäglich Banales trifft auf Extremes, umringt es und zeigt dabei immer wieder eins auf: Menschlichkeit. Sie avanciert zu dem Mittelpunkt um den alles kreist. Trotzdem ist INTIMACY keine Aktfotografieaustellung. Der Besucher wird in seinem ästhetischen Empfinden herrausgefordert. Moral weicht ebenso einer künstlerischen Freiheit, wie ein Idealbild den unzähligen schönen und unschönen Formen des menschlichen Körpers Platz macht. Eine Herausforderung für den Betrachter und eines der innovativsten Kunstprojekte der letzten Zeit für mich.
Tiefer Cocktail?
November 18, 2006
Man stelle dich das Jahr 2003 vor. In allen Clubs, auf Partys und unter Freunden munkelt es. Minimal so der Buschfunk, heiße die neueste Tanzteufelei. Ich begab mich also auf Tuchfühlung und stieß (wie wohlmöglich viele andere) zuerst auf DeepMix. Jenem Vorreiter-, Zuerst-Zeiger- und Undergroundgefühlauslöser-Internetradio aus Moskau. Gegründet vom Barkeeper des Mix Club führte es mich in die wortwörtlichen Tiefen der Smart Music ein. Nette Menschen wie SCSI-9, Noon(at oder Akufen begleitet mich fortan Abend für Abend. Das Virus befiehl mich. In ewigen Ehren werde ich Dimitry Ghosts genial dahinfrickelnden „September Mix“ halten. Danke Deepmix. Ihr seit Schuld Euch ist es zu verdanken, dass ich diese minimal-musikalische Welt für mich entdeckt habe.
Entwachsende Schlagzeilen
November 17, 2006
Achsnig parkt seinen braunen Peaugeot vor Heidis Haus. Er wartet. Als Heidi nach ein paar Minuten kommt, erzählt er ihr, das er in der Frühstückspause seinen Sohn gesehen hat, der an dem Tag zehn geworden ist. Er hat ihm eine Lupe geschenkt. Heidi fragt, ob er noch Löschpapier besitze, sie habe zu Hause einen Wachsfleck. „Da kann man auch Zeitung nehmen“, sagt Achsnig, der sich als einzigen Luxus ein Neues Deutschland-Abo leistet. „Geht dann auch die BILD?“, fragt Heidi.
Auszug aus dem Artikel „Heute war ein guter Tag“ von Marian Blasberg, gelesen in der 45. Ausgabe der „ZEIT“ vom 2. November 2006.
Hail to the thief
November 15, 2006

Kaum 24 Stunden online und schon sind die Träume einer passenden Domain zunichte gemacht. Da sw-elements.com nicht mehr so recht passen will, sah ich mich nach geeigneter Alternative um, und wurde dummerweise fündig. Noch verheerender ist die Tatsache, dass austragungsort.de eine, zwar langsam wachsende, aber dennoch überraschend geistreiche Seite ist, die mit locker-flockiger Anti-Atittude und Bilderbuchcharakter daherkommt. Besuchen lohnt sich.
Längsstreifen machen schlank
November 15, 2006
Als geständiger Suchtkranker der Droge Tattoo, komme ich natürlich nicht an Geschichte, Ursprüngen und etwaigen Abgründen desselben vorbei. Russian Criminal Tattoo beleuchtet in zwei duzend schwarz-weiß Aufnahmen die Formen und Ausmaße der Tätowierkultur in russischen Gefängnissen. Teilweise skurril, meist lächerlich aber oft genau die Form von Körperschmuck, die man nicht auf der Haut desjenigen sehen möchte, den man nachts halb drei auf dem nach-Hause-Weg trifft; es sei denn man hat Beschwichtigungswodka dabei. Gut, genug der Stereotypen!
(Quelle)
Sport frei!
November 15, 2006
Alles Neu macht der Herbst; oder so ähnlich. An diesem Ort, in Muttersprache und mit neuem Enthusiasmus präsentiere ich nicht wenig stolz aber etwas schüchtern meinen neuen „Austragungsort“. Ihr könnt Interessantes, Kurioses und Eigenbrödlerisches lesen, hören und sehen. Alles gut gemixt mit etwas nackter Haut und ebenso nackten Tatsachen.
Den Anfang macht eine kleine Eigenproduktion. Nennen wir minimal.01 ein abstraktes Videoclip-Etwas mit minimaler Musik von Killahertz (Netlabel Fragment). Gedreht und zusammengehackt auf einer Sony PD-150 MiniDV und im Avid XPress Pro. Geholfen und moralisch unterstützt haben Nicolai, Jan, Lotte und Phillip.
