Haltet die Augen offen Bürger, Mark Jenkins treibt sein Unwesen! Ob in Los Angeles, Washington, New York oder dem fernen Brasilien, wo der Streetartkünstler geht, hinterlässt er seine Geisterwesen. Fast alle aus Packklebeband gefertigt, plaziert er sie im urbanen Raum und schafft es damit einer einfachen Straßenecke, einer Laterne, ja einer Pfütze neuen Sinn und Kontext zu geben. Er spielt mit den vertrauten Dingen, mit unserer Sehgewohnheit und verdreht sie ins Lächerliche, manchmal sogar ins Beschähmende. Jenkins interessiert das Alltägliche, wie Mensch damit umgeht und wie er es ad absurdum führen kann. Wie reagiert das Paar auf den Mann dessen Kopf in der Wand verschwindet? Was geht in ihnen vor? Es ist fazinierend bei den vorrübergehenden Menschen die stereotypen Gedanken an einen Bettler anzunehmen und wie sie, durch Entdeckung des kopflosen Details, ins Straucheln geraten. Ähnliches gilt für die falschen Enten, die Jenkins in Washington „aussetzte“. Dieser in jedem Menschen so tief verwurzelte Anblick von Enten im Stadtraum, rutscht durch die offensichtliche Deplatzierung aus der Fassung. Man schaut zweimal, man zweifelt und wahrscheinlich hofft Mark Jenkins auch das solche ungewohnten Eindrücke uns mehr Sensibilisieren – für die Straße, unsere Umwelt und die Menschen.

Kurz gefasst #2

Februar 11, 2007

Viel Zeit zum Staunen braucht man für die Gallerie von Speshal. Ähnliches gilt für den Fotojournalismus von Javier Izquierdo.

Streetart: Überwältigend groß von Blu und winzig-detailverliebt von Dan Witz.

Kurz gefasst #1

Januar 31, 2007

Zweimal erstklassige Polaroids: Portraits von Corrado Dalco sowie Akte des Fiftyrooms Projektes.

Ansprechende Modefotografie von Philibert und ein interessantes Super8 Video von Lia Sáile.

Was wenn die Ablichtung eines halben Gesichtes, mehr Aussagekraft, Erotik und Anmut in sich trägt, als so mancher Ganzkörperakt zahlloser Fotografen? Wie sieht ein Mann, der es schafft Weiblichkeit ohne Stereotypen aber immer voller Schönheit zu fotografieren? Ray Fresh scheint es zu wissen. In seinen Portraits schafft er den Spagat zwischen hoher Qualität und Eindringlichkeit. Der technische Anspruch kollidiert nicht mit seinem Einfühlungsvermögen und verschafft ihm und dem Betrachter somit atemberaubende Schwarz-Weiß Aufnahmen der weiblichen Seele und Schönheit. Sucht man einen, Fokus, bemerkt man schnell seine Vorliebe für Lippen. In fast allen Aufnahmen, bildet der Mund das Zentrum um das sich die Person praktisch enfaltet. In langsamen Schritten blühen diese Portraits auf. Ray Fresh gibt uns nicht alles, er behällt einen Teil zurück und übergibt es dem Schatten. Und so stehen wir vor Fotos, die wie mit einer Art Schleier belegt sind – geschichtenträchtig, geheimnisvoll, erotisch und ein wenig neidig. Neid dem Schatten.

Eigenregie #4

Januar 15, 2007

Lego Nr. 1

Geklebt in den Straßen von Leipzig. Die Invasion hat begonnen.

Eigenregie #3

Januar 7, 2007

Immer wieder Samstags

Leica Mini III mit f3,5 bei 1/50

2006

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Sie scheint den Betrachter herrauszufordern. Ihr nackter Oberkörper ist kein Makel, keine Peinlichkeit sondern wird von ihr getragen wie eine Waffe. Selbstbewußtsein, erotische Aufforderung in einer sterilen Umgebung. Johannes Schwab ist ein Komponist. Ein guter und gleichzeitig verspielter dazu. Betrachtet man sein Portfolio, reibt man sich schnell den skurrilen Dyptichons. Er versteht sein Handwerk. Seine Portraits sind von einer merkwürdigen Lebendigkeit beseelt, sie zeigen den Menschen, sein facettenreiches Selbst auf ungewöhnlich einfühlsame Weise. Dennoch würde seine Komposition nicht funktionieren, wären da nicht die Stillleben, die Detailaufnahmen toter Dinge, die er in Verbindung zu seinen Models setzt und so eine merkwürdig – surreale Stimmung kreiert. Das zerstörte Auto oder der leblose amerikanische Straßenzug komplettieren seine Portraits. Sie ergänzen, was die bloße Darstellung des Gesichtes nicht hergibt. Es werden Erinnerungen angedeutet, Assoziationen gestreut. Der Betrachter wird aufgefordert hinter das schöne, altersgezeichnete oder außergewöhnliche Gesicht zu schauen um ein Stückchen Seele zu erhaschen – in all ihrer Reichhaltigkeit und Tiefe. So geheimnisvoll wie das verschlossene Portfolio #2…

SYRU 1„Waste Your Time With Paste And Leim“ Was sich wie ein typischer Englischsatz eines Mitfünfzigers anhört, ist nette Selbstironie und gleichzeitig tägliches Programm in meiner Heimatstadt Leipzig (und allen anderen Großstädten in Deutschland). Gemeint ist die sogenannte Streetart und deren Macher, die die Straßen seit einiger Zeit mit einer kreativen Papierbilderwust überziehen. Wer jetzt kolerisch-wütend „Vandalismus“ schreit, ist von diesem Blog ausgeschloßen und darf nicht weiterlesen. Allen anderen möchte ich Herrn Syru vorstellen. Der Kindergartencop und Comicfanatist der hiesigen Plakat- und Aufkleberszene.SYRU 3 Bärtige Omas beim Gassigehen, Kleiderschrankmonster, Hunde, Katzen, Mixturen aus Beidem, Fabelwesen und Roboter. Er jongliert vergnügt mit Kinderzeichnungen, lässt sie fließend in harte Comics übergehen und scheut dabei Satire genausowenig wie Hommage. Bilderwelten scheinen aus ihm herrauszusprudeln. Das ist Syru wie er leimt und klebt. Zu finden sind ein Großteil seiner Arbeiten in der Südvorstadt sowie in Plagwitz. Wer sucht der findet.

Eigenregie #2

Dezember 20, 2006

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dyptichon

Nikon FE mit f11 bzw. f1,8 bei 1/250sek bzw. 1/30sek

2006

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Die „Black Cubes“

Dezember 16, 2006

cube.jpgEin namenloser Italiener, studierter Philosoph und Künstler stellt auf seiner Homepage schwarze Kästen zum Verkauf. Insgesamt 999 Stück. Das ist ja sehr spannend möchte man voreilig und ironisch rufen, aber spannend sind diese Würfel in der Tat. Jeder einzelne birgt ein schreckliches Geheimnis, einen Gegenstand, den der Besitzer im Idealfall niemals zu sehen bekommt. Denn das ist Aufgabe und gleichzeitig metaphysiche Folter der „Black Cubes“: Wie gehen Menschen mit Neugier um? Würden sie so weit gehen, ein Kunswerk zu zerstören um dessen Geheimnis zu lüften? Die Mona Lisa zerschneiden, um die Art der Leinwand herauszubekommen. Das würde niemals jemand tun? Bestimmt nicht… Oder? Es ist sicher anzunehmen, dass die Präsenz eines solchen „Black Cubes“ für den Eigentümer Inspiration und gleichzeitig Probe ist. Zu erwähnen sei noch, dass die ominösen Inhalte zusammengefügt und nach Verkauf aller 999 Stück Teile eines großen Puzzles darstellen. Die Weltformel ist es sicher nicht, Luft hoffentlich ebensowenig – aber was dann? Lasst uns neugierig sein – oder besser nicht.